Was ist Eye-Tracking?
Beim Eye-Tracking erfassen spezielle technische Systeme die Blickrichtung und Augenbewegungen einer Person. Die Daten lassen sich anschließend visuell darstellen und auswerten.
Dabei spielen verschiedene Messgrößen eine Rolle:
- Fixationen: Zeiträume, in denen der Blick auf einem bestimmten Punkt verweilt.
- Sakkaden: schnelle Augenbewegungen zwischen verschiedenen Blickpunkten.
- Blickpfade: die Abfolge, in der einzelne Bereiche betrachtet werden.
- Verweildauer: die Zeit, die eine Person auf einen bestimmten Bereich schaut.
Eine sogenannte Heatmap zeigt beispielsweise, welche Bereiche eines Bildes besonders häufig oder lange betrachtet wurden. Ein Blickpfad macht sichtbar, in welcher Reihenfolge verschiedene Elemente angesehen werden.
Eye-Tracking in Psychologie und Kommunikation
Eye-Tracking wird unter anderem in der psychologischen Forschung sowie in der Werbe- und Medienforschung eingesetzt.
In der Werbung lässt sich damit untersuchen, ob Menschen zuerst ein Produkt, ein Logo oder eine Überschrift betrachten. Die Ergebnisse können dabei helfen, Webseiten, Anzeigen und andere Medieninhalte gezielter zu gestalten.
In der Psychologie ermöglicht die Methode, visuelle Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung genauer zu untersuchen. Forschende können beispielsweise analysieren, welche Bereiche einer Abbildung Menschen betrachten oder welche visuellen Informationen sie vor einer Entscheidung aufnehmen.
Dabei gilt: Nur weil jemand einen Bereich lange ansieht, bedeutet das nicht automatisch, dass er die Information versteht oder sich später daran erinnert.
Eye-Tracking im Sport: Der Quiet-Eye-Effekt
Auch im Sport kann das Blickverhalten mit der Leistung zusammenhängen. Beim Golfputt, Sportschießen oder Elfmeterschießen müssen Sportler ihre Aufmerksamkeit auf relevante Punkte richten und ihre Bewegungen präzise koordinieren.
Mit Eye-Tracking lässt sich untersuchen, wohin Sportler unmittelbar vor einer Bewegung schauen und wie lange ihr Blick auf einem bestimmten Punkt bleibt. Ein bekanntes Forschungsgebiet ist dabei der Quiet-Eye-Effekt.
Was ist der Quiet-Eye-Effekt?
Der Quiet-Eye-Effekt bezeichnet die letzte, anhaltende Blickfixation auf einen aufgabenrelevanten Punkt vor der entscheidenden Phase einer Bewegung.
Studien zeigen, dass längere Blickfixationen beim Sportschießen und Golfputten mit besseren Leistungen zusammenhängen können. Beim Sportschießen wurden beispielsweise längere Quiet-Eye-Phasen bei erfolgreichen Treffern als bei Fehlschüssen beobachtet. Auch erfahrene Schützen zeigten längere Fixationen als weniger erfahrene Teilnehmer.
Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Blicksteuerung bei präzisen Bewegungen eine Rolle spielen kann. Eye-Tracking macht es möglich, solche Zusammenhänge systematisch zu untersuchen.
Was verrät unser Blick und wo liegen die Grenzen?
Eye-Tracking liefert Daten über unsere Augenbewegungen, aber keinen direkten Einblick in unsere Gedanken. Menschen können etwas ansehen, ohne es bewusst zu verarbeiten. Gleichzeitig können sie Informationen wahrnehmen, die außerhalb ihres direkten Blickfokus liegen.
Deshalb müssen die Ergebnisse immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Aufgabe und Untersuchung interpretiert werden. Häufig werden die Blickdaten mit weiteren Informationen kombiniert, um Wahrnehmung und Verhalten besser zu verstehen.
Fazit: Unser Blick verrät mehr als wir denken
Eye-Tracking macht sichtbar, wie wir unsere visuelle Aufmerksamkeit einsetzen. Die Methode hilft dabei, Wahrnehmung und Informationsverarbeitung in der Psychologie, der Medienforschung und im Sport zu untersuchen.
Der Quiet-Eye-Effekt zeigt beispielhaft, wie sich Blickbewegungen mit sportlicher Leistung in Verbindung bringen lassen. Längere Blickfixationen können bei bestimmten Präzisionsaufgaben mit besseren Ergebnissen zusammenhängen.
An der Campus M University können Studierende Eye-Tracking im Psychologie-Lab selbst ausprobieren und erleben, wie Blickbewegungen erfasst und ausgewertet werden.
Du möchtest Eye-Tracking auch einmal ausprobieren und generell mehr darüber erfahren, wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Verhalten zusammenhängen?
Dann entdecke den Studiengang Psychologie & Kommunikation an der Campus M University und erfahre, wie psychologische Erkenntnisse in Forschung und Praxis angewendet werden.